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Café de Colombia – Tag 4

In Bogotá haben wir einen halben Tag Zeit, und so begleite ich Xiomy zum „Arte y Pasion Café: Escuela de baristas“1, zu Deutsch etwa „Café Kunst und Passion – Baristaschule“. Zum Einen gegründet, um die Wertschätzung guten Kaffees in Kolumbien selbst zu fördern. Denn bis heute wird der hochwertige Kaffee meist exportiert, wohingegen vor Ort oft die weniger wertvollen Bohnen geröstet und getrunken werden. Als weniger wertvoll gelten Bohnen, die gebrochen sind oder unterschiedliche Größen haben, denn das führt dazu, dass sie unterschiedlich auf das Rösten reagieren und auch verschieden schmecken.

Zum Anderen gibt es hier bei „Arte y Pasion“ für junge Menschen aus den weniger begüterten Vierteln Bogotás und der ländlichen Umgebung die Chance, einen Beruf mit Zukunft zu erlernen. Sie können hier Barista werden, also diejenigen, die morgens eine Blume in deinen perfekt geschäumten Cappuccino zaubern können. Unzählige junge Menschen wurden hier schon in das Geheimnis von gefiltertem specialty coffee, dem perfekt-cremigen Espresso und einer schön geschäumten Latte Macchiato eingeweiht. Alleine der Gründer Antonio Romero hat schon über 3.000 Menschen in Kolumbien, aber auch in Venezuela und Perú ausgebildet2.

 

Mit diesem "Rad" kann man den Geschmack des Kaffees beschreiben.

In den Schulungen lernen die Teilnehmer neben der Zubereitung von verschiedenen Kaffeespezialitäten auch viel über die Qualität von Kaffee. Und sie lernen auch, die verschiedenen Geschmacksnuancen zu erkennen, die anhand eines „Geschmacksrades“ (ähnlich dem für die Beschreibung von Wein) beschrieben werden.

Dieses Wissen um verschiedene Geschmacksnoten wiederum ist auch wichtig für die Kaffeeproduzenten in Kolumbien. Denn nur wenn sie dieses Wissen über die vom Kunden gewünschte Qualität haben, können sie ihre Produktion darauf ausrichten. Mit besserer Qualität wiederum, das haben wir ja schon bei Don Omar gesehen, ist ein höherer Preis möglich.

So hat auch Andrés Hernández, der Sohn eines Kaffeeproduzenten, den ich auch für diesen Blog interviewen durfte, hier bei „Arte y passion“ viel gelernt. Nicht nur über die Herstellung hipper Heißgetränke, sondern auch darüber, was eine gute Kaffeebohne ausmacht. Dieses Wissen trägt er nun zurück an den Ort, an dem er aufgewachsen ist.

Zugleich hat er mit seinem Bruder ein Unternehmen gegründet, das sich der Verbesserung der Wirtschaftlichkeit von Kaffee widmet. Sie suchen damit Möglichkeiten, die Qualität der Produktion zu verbessern, um angemessene Preise erzielen zu können.

Andréz Hernández hinter der Theke des Cafés "Arte y Pasion"

Die ruhige und zugleich energetische Art von Andrés beeindruckt mich. Er strahlt das neue Selbstbewusstsein einer Generation von Kolumbianern aus, die zu Recht keine Lust mehr hat, billigen Kaffee für unseren unreflektierten Konsum zu produzieren.

Wir sind also in der selben Mission unterwegs. Und so trinken Xiomy und ich unsere Kaffees aus und ich kaufe noch ein paar Päckchen Bohnen zum Mitnehmen – auch wenn der von Doña Magdalena (siehe Tag 1) leider schon ausverkauft ist.

Dann geht es schon wieder zum Flughafen, um nach Pitalito einzuchecken. Doch leider gibt es ein technisches Problem, so dass statt dem großen Flieger nur ein kleinerer starten kann. Zwei von der Gruppe haben früher eingecheckt und dürfen mit – der Rest muss bis zum nächsten Nachmittag warten. Wir diskutieren ein bisschen herum und geben uns schließlich geschlagen. Schade, denn so entfällt unser Besuch bei der Frauenkooperative „Café de mujeres“.

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